Fördermittel: Energieeffizient bauen mit Geld vom Staat noch möglich
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Fördermittel: Energieeffizient bauen mit Geld vom Staat noch möglich

Auch nach dem Ende der Bundesförderung für effiziente Gebäude lohnen sich Maßnahmen zur Steigerung der Energieeffizienz. Denn es gibt noch andere Fördermittel.

Der abrupte Stopp der sehr beliebten Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG) im Januar hat viele Investoren kalt erwischt. Gerade Unternehmen, die investieren wollten, hat der Förderstopp getroffen. Zwar bearbeitet die Bundesregierung angesichts der massiven Proteste zumindest noch die Anträge, die bis einschließlich 23. Januar gestellt sind. In Summe sind das 20.000 Anträge von gewerblichen Unternehmen. Doch viele Interessenten, die noch Anträge stellen wollten, schauen jetzt in die Röhre. Wenn sie ihre Gas- und Strompreise senken wollen, haben sie aber auch noch andere Möglichkeiten.

Neue Förderprogramme geplant

Wirtschaftsminister Robert Habeck will an Ostern 2022 ein neues Förderprogramm vorstellen. Es sieht allerdings reduzierte Fördersummen vor. Zudem soll es nur bis Jahresende 2022 gelten. Förderung soll es nicht mehr für den Standard EH 55 geben, sondern nur noch für den Standard EH 40, also für Gebäude, die lediglich 40 Prozent des vorgegebenen Energiereferenzwerts verbrauchen. Für 2023 ist dann ein ganz neues Förderprogramm geplant. Andreas Steinberger, Ecovis-Unternehmensberater in Dingolfing, glaubt, dass das neue Programm deutlich restriktiver ist und „vielleicht auch soziale Komponenten enthält“. Für Unternehmer, die noch Anträge stellen wollten, das nun aber nicht mehr können, gibt es wenig Trost. „Rechtlich dagegen vorzugehen, ist sinnlos. Wenn der Topf dafür leer ist, ist er leer“, meint er. Betroffenen, die es nicht zu eilig haben und deren Vorhaben noch nicht so weit gediehen sind, dass ihnen ein Bauunternehmen im Nacken sitzt, rät er, jetzt erst einmal zu warten, „bis die neuen Förderbedingungen klar sind“.

Geeignete Fördertöpfe nutzen

Doch wer jetzt handeln will, kann das trotzdem tun. Denn die Baupreise steigen – und womöglich bald auch die Zinsen. Außerdem explodieren die Energiepreise. Hinzu kommt: Zwar ist die bisherige Förderung beim Neubau und bei der Komplettsanierung gestoppt, für Einzelmaßnahmen fließen aber im Rahmen der Bundesförderung für effiziente Gebäude weiterhin Mittel. Die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) vergibt Kredite mit Tilgungszuschuss, das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (Bafa) Direktzuschüsse, wenn etwa in bestehende Gebäude neue Fenster einzubauen sind, Heizungen gegen energieeffizientere Maßnahmen zu ersetzen oder Wärmepumpen und Dämmungen zu installieren sind. „Aus unternehmerischer Sicht lohnt es sich immer, mit Möglichkeiten wie einer autonomen Energieversorgung, bei produzierenden Betrieben mit einer Wärmerückgewinnung oder auch mit einfachen Maßnahmen zur Energieeinsparung zu beschäftigen“, meint Thomas Born, Ecovis- Unternehmensberater in Rostock.

Photovoltaikanlagen werden Pflicht

Der Einbau von Photovoltaikanlagen bei gewerblichen Neubauten ist in Baden-Württemberg und in Schleswig-Holstein schon Pflicht. In Berlin, Hamburg, Rheinland-Pfalz und Niedersachsen ist das vom kommenden Jahr an der Fall. Im Koalitionsvertrag der neuen Bundesregierung steht, dass Solarzellen generell Pflicht sein sollen – zumindest im gewerblichen Sektor. Zu berücksichtigen ist, dass zu den Anschaffungs- und Installationskosten solcher Anlagen Kosten für die regelmäßige Wartung, Reinigung und eine Versicherung etwa gegen Sturm, Hagel oder Feuer kommen. Nach einer jüngst vorgestellten Umfrage erzeugt bereits ein Fünftel der befragten Unternehmer Strom mithilfe von Sonnenenergie.

Fördermittelberatung: Der Staat zahlt mit

Wer angesichts der noch immer großen Vielfalt von Fördermöglichkeiten den Überblick verliert, welches Programm für ein geplantes Vorhaben sinnvoll ist, sollte professionellen Rat von Experten in Anspruch nehmen. „Die Kosten für die Fördermittelberatung sind als Teil einer Beratung zu Investitionsmaßnahmen sowie als Teil einer Prozessberatung mit verschiedenen Bundes- oder Landesprogrammen mit Zuschüssen von bis zu 80 Prozent förderfähig“, sagt der Rostocker Ecovis-Experte Thomas Born.

Interview mit Thomas Born: „Es gibt noch viele Fördermaßnahmen“

Das Hotel Stranddistel in Göhren auf Rügen investiert in energieeffiziente Projekte – und das mit Geld vom Staat. Unternehmensberater Thomas Born aus Rostock hat das Hotel dabei unterstützt, die richtigen Fördermittel zu finden und zu bekommen.

Herr Born, mit welchem Anliegen kamen die Verantwortlichen des Hotels Stranddistel in Göhren auf Rügen auf Sie zu?

Es ging einerseits um die Modernisierung, andererseits um eine bessere Energieeffizienz. In Mecklenburg-Vorpommern gab es damals im Rahmen der Gemeinschaftsaufgabe „Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur“ (GRW) das Zuschussprogramm „Modernisierung von Beherbergungsbetriebsstätten“. Die Betriebe erhielten aus diesem Programm Investitionszuschüsse. Die Hilfen waren gekoppelt an Investitionen in Qualität, etwa durch den Einbau einer Sauna, oder durch Verbesserung der bestehenden Angebotsstruktur, zum Beispiel den Ausbau der Restaurantkapazitäten. Ein weiterer Schwerpunkt des Programms waren Investitionen in die Steigerung von Energieeffizienz und/oder in die Erhöhung der Klimafreundlichkeit.

Wie konkret konnten Sie helfen?

Das Hotel hat Mittel in allen Programmpunkten beantragt und bewilligt bekommen.

Was genau plant das Hotel und wie viel investiert es?

In den nächsten zwei Jahren will das Hotel etwa 1,2 Millionen Euro investieren. Geplant sind die Installation einer Photovoltaikanlage für den Eigenverbrauch, Investitionen in energieoptimierte Verbrauchsanlagen wie Kühlschr.nke sowie die Einrichtung von Ladepunkten für Elektrofahrräder.

Welche Förderungen gibt es nach dem Stopp eines Großteils der Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG) noch?

Das Programm des Landes Mecklenburg- Vorpommern für das Beherbergungsgewerbe ist inzwischen ausgelaufen. Reine Zuschüsse sind nur noch mit ganz speziellen Investitionen möglich. Es gibt jedoch noch eine ganze Reihe an öffentlichen Darlehen der KfW, die auch durch günstige Zinssätze oder Tilgungszuschüsse subventioniert sind. Die Ausrichtung hierbei ist grundsätzlich auf nachhaltige und energieeffiziente Maßnahmen gerichtet.

Was ist bei Unternehmen besonders gefragt und was empfehlen Sie?

Besonders gefragt sind Zuschüsse für innovative Projekte von Start-ups, aber auch von Bestandsunternehmen. Die voranschreitende Digitalisierung und die Motivation der Mittelständler, insbesondere in Nachhaltigkeit zu investieren, sind die Treiber für Investitionen. Ich würde mir noch wünschen, dass es weniger Hürden in der Verwaltung und bei der Antragstellung gibt. Die Unterscheidung zwischen Bundes- und Landesprogrammen hat sich bewährt. Und es sollten wieder mehr Programme geben.

Hotel „Stranddistel“

Das Hotel Stranddistel im Ostseebad Göhren auf Rügen ist ein familiengeführtes Hotel mit 39 Zimmern. Vor über 100 Jahren gegründet, beschäftigt das Hotel mit Meerblick rund sechs Mitarbeiter. https://goehren-hotel.de/

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Thomas Born
Unternehmensberater in Rostock
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