Notfallplan: Fünf Fragen an Marc Evers, DIHK-Experte für Unternehmensnachfolge

Die Industrie- und Handelskammern melden, dass 43 Prozent der Senior-Chefs in Deutschland keinen Nachfolger finden, so viele wie nie zuvor. Dabei gilt: Der Weg zur gelungenen Nachfolge ist anstrengend, aber lohnenswert.

Wie ordnen Sie das Problem der ungelösten Nachfolge in Familienunternehmen volkswirtschaftlich ein?

Die Formel „der älteste Sohn übernimmt“ geht in immer weniger Unternehmen auf. Die Folgen sehen die Industrie- und Handelskammern bei Gesprächen mit Alt-Inhabern: In Handel und Gastronomie gibt es mittlerweile doppelt so viele übergabereife Unternehmen wie potenzielle Interessenten. In der Industrie kommen sogar fünf Alt-Inhaber auf einen möglichen Übernehmer.

Ist Unternehmern bewusst, dass sie für solche Fälle vorbereitet sein müssen?

Es gibt immer noch immensen Nachholbedarf. 70 Prozent der Alt-Inhaber haben nach IHK-Erfahrungen nicht die für eine reibungslose Übergabe notwendigen Dokumente griffbereit für eine Vertrauensperson zusammengestellt. Das bedeutet ein ernsthaftes Risiko für die Betriebsfortführung und bringt Unternehmen unnötigerweise ins Schlingern.

Wie können Firmeninhaber sich rechtzeitig behelfen – zum Beispiel mit Blick auf konkrete Vorgehensweisen im Fall von Krankheit oder Tod des Firmenchefs?

Vollmachten, Vertretungsplan, Informationen zu Kunden- und Lieferantenstrukturen, eine Dokumentenmappe mit Bankverbindungen, Zugangsdaten sowie ein Testament – all diese Dokumente sollten in einem „Notfallkoffer“ griffbereit für eine Vertrauensperson zusammengestellt sein. Die Dokumente sollten regelmäßig aktualisiert werden.

Wo liegen die Schwachpunkte in der Nachfolgeproblematik im Mittelstand?

Vielen Alt-Inhabern fällt es schwer, sich von ihrem Lebenswerk zu lösen. Zudem beschäftigen sie sich zu spät mit der Unternehmensübergabe. Viele schieben die steuerlich und rechtlich komplexe, bisweilen emotional unbequeme Nachfolgefrage auf die lange Bank. Je dringender sich jedoch etwa aus Alters- oder Gesundheitsgründen die Nachfolgefrage stellt, desto mehr zeitlicher Druck baut sich auf, der ein gründliches Herangehen an das Nachfolge-Thema erschwert.

Wo liegen die Chancen für Familienunternehmen, wenn das Thema Nachfolge rechtzeitig und praxisorientiert angegangen wird?

Der Weg zur gelungenen Nachfolge ist anstrengend, aber er muss gegangen werden. Der Lohn der Mühen: Das Unternehmen kann von einer motivierten und qualifizierten Führungsperson in die Zukunft geführt werden. Möglicherweise kann der Senior dem Unternehmen auch noch eine Zeit lang verbunden bleiben, etwa über einen Beirat. Notwendig sind jedoch ein klarer Ausstiegsfahrplan und eine frühzeitige Verständigung über die Rollenverteilung – zugunsten der Zukunft des Familienunternehmens.

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