Warum KI im Mittelstand oft wenig bringt – und wie Sie das ändern
Künstliche Intelligenz (KI) ist in der deutschen Wirtschaft schneller angekommen als viele erwartet haben. Eine aktuelle Studie des ifo Instituts zeigt jedoch: Obwohl KI inzwischen weit verbreitet ist, bleiben die erhofften Produktivitätseffekte oft aus. Der Grund liegt weniger in der Technologie selbst, sondern darin, wie sie genutzt wird. Für Sie als Unternehmer lohnt sich der genaue Blick: Nutzen Ihre Mitarbeitenden KI strategisch oder nur oberflächlich? Wir ordnen die Studienergebnisse ein und zeigen, wo Unternehmen ansetzen können.
Die KI ist längst da, aber oft nur oberflächlich
KI gehört für viele Beschäftigte bereits zum Alltag. Rund 64 Prozent der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in Deutschland nutzen KI-gestützte Anwendungen bei der Arbeit. Auf den ersten Blick klingt das nach einem großen Fortschritt. Ein genauerer Blick zeigt jedoch ein anderes Bild: Nur etwa 20 Prozent nutzen diese Werkzeuge regelmäßig und intensiv.
Für den Mittelstand bedeutet das: Der Einstieg in KI ist zwar niedrigschwellig – oft genügt ein Internetzugang –, doch in vielen Unternehmen bleibt es bei einem punktuellen Einsatz. KI wird ausprobiert, aber selten systematisch in die wichtigen Arbeitsprozesse eingebunden. Die Nutzung ist weit verbreitet, aber meist oberflächlich.
Wenn Mitarbeiter die Digitalisierung selbst in die Hand nehmen
Die ifo-Studie unterscheidet zwischen zwei Formen der KI-Nutzung. Zum einen gibt es den formellen Einsatz, bei dem das Unternehmen KI-Tools offiziell einführt, Schulungen anbietet und die Anwendungen fest in die Abläufe integriert. Zum anderen gibt es die informelle Nutzung, bei der Mitarbeitende eigenständig auf Tools wie ChatGPT zurückgreifen, oft ohne klare Vorgaben oder Unterstützung durch die Führungsebene.
Tatsächlich wurde nur bei rund einem Drittel der KI-Nutzenden das wichtigste Werkzeug vom Arbeitgeber eingeführt. Die Mehrheit nutzt KI also auf eigene Initiative. Das zeigt Engagement und Offenheit in den Teams, bringt aber auch Einschränkungen mit sich.
Informell eingesetzte KI wird meist für einfache Aufgaben wie Textentwürfe oder Recherchen genutzt. Anspruchsvollere Anwendungen, etwa für Analysen oder spezialisierte Fachaufgaben, kommen hingegen fast ausschließlich im Rahmen offiziell eingeführter Lösungen zum Einsatz.
Warum Struktur den Unterschied macht
Viele Betriebe fragen sich, warum der Einsatz von KI bislang kaum messbare Effekte in den Geschäftszahlen zeigt. Die Studie liefert dafür eine einfache Erklärung: Solange KI nur gelegentlich und ohne klare Vorgaben genutzt wird, bleiben die Effekte begrenzt.
Anders sieht es aus, wenn KI gezielt eingeführt und im Arbeitsalltag verankert wird. Mitarbeitende, die offiziell bereitgestellte Tools nutzen, setzen die Technologie intensiver ein, erhalten häufiger Schulungen und berichten von spürbaren Verbesserungen – etwa bei der Qualität der Arbeit und beim Zeitaufwand. Kurz gesagt: Wer KI bewusst steuert und in bestehende Prozesse einbindet, erzielt deutlich größere Effekte, als wenn die Nutzung dem Zufall überlassen bleibt.
Lassen Sie niemanden zurück
Ein kritischer Punkt für den Mittelstand ist der sogenannte „Skill-Bias“, also die Verzerrung durch Qualifikation. Die Studie zeigt, dass vor allem hochqualifizierte Mitarbeitende und solche in komplexen Positionen KI nutzen. Ohne steuerndes Eingreifen des Arbeitgebers verstärkt die informelle Nutzung bestehende Ungleichheiten. Die ohnehin leistungsstarken Mitarbeitenden werden produktiver, während andere den Anschluss verlieren.
„Viele Unternehmen lassen KI einfach laufen. Ohne Schulung und klare Strukturen profitieren am Ende aber nur die ohnehin Starken“, sagt Hendrik Fülle, IT-Experte in Dingolfing.
Eine rein informelle Verbreitung nach dem Motto „Die Mitarbeitenden machen das schon“ reicht daher nicht aus. Es braucht gezielte Schulungen und klare Strukturen, um KI für die gesamte Belegschaft nutzbar zu machen. Die Studie zeigt hier deutlich: Wo KI formell eingeführt wird, gehen bessere Qualifizierung und intensivere Weiterbildung Hand in Hand.
Ausblick
Die Ergebnisse der ifo-Studie zeigen einen klaren Handlungsbedarf. Die vielfältige, oft informelle Nutzung von KI in den Unternehmen macht deutlich, dass Interesse und Offenheit in den Teams vorhanden sind. Dieses Potenzial bleibt jedoch ungenutzt, wenn es nicht aktiv gesteuert wird.
Informelle Nutzung eignet sich gut zum Ausprobieren. Nachhaltige Effekte entstehen jedoch erst, wenn KI gezielt eingeführt und durch klare Regeln sowie passende Weiterbildungsangebote begleitet wird. So lässt sich sicherstellen, dass KI nicht nur punktuell eingesetzt wird, sondern dauerhaft zur Produktivität beiträgt.
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