Praxisnachfolge erfolgreich planen: Diese Faktoren machen die Arztpraxis attraktiv für die Nachfolge
Wer einen Nachfolger für seine Praxis sucht, sollte früh mit der Planung beginnen. Mit gezielten Maßnahmen vor der Übergabe lassen sich Attraktivität und Wert der Praxis steigern – und damit auch die Chancen auf eine gelungene Übergabe.
Die Suche nach einem Nachfolger für die eigene Praxis gestaltet sich für viele Ärztinnen und Ärzte schwieriger als erwartet. Der demografische Wandel und veränderte Vorstellungen der jüngeren Ärztegeneration verschärfen die Situation. „Umso wichtiger ist es, die Praxis rechtzeitig auf die Übergabe vorzubereiten“, sagt Mirco Kannenberg, Steuerberater und Fachberater für das Gesundheitswesen bei Ecovis in Mülheim an der Ruhr.
Je früher Ärztinnen und Ärzte mit ihren Überlegungen beginnen, desto mehr Zeit bleibt für wertsteigernde Maßnahmen. Wer erst kurz vor der Abgabe aktiv wird, gerät unter Zeitdruck und schwächt die eigene Verhandlungsposition. „Dabei gibt es zahlreiche Möglichkeiten, die Praxis nach und nach auf einen modernen und für Übernahmewillige attraktiven Stand zu bringen“, sagt Kannenberg.
Hoher Digitalisierungsgrad und ein gutes Team
Fortgeschrittene Digitalisierung ist heute eines der ausschlaggebenden Kriterien für Praxiskäufer. Moderne Praxisabrechnungssoftware, digitale Patientenakten und zeitgemäße Geräte signalisieren Zukunftsfähigkeit. Praxissuchende sortieren Angebote, die keinem Mindeststandard entsprechen, oft kategorisch aus. „Die Attraktivität einer Praxis bemisst sich heute nicht mehr nur an ihrem Patientenstamm, sondern zunehmend an ihrem digitalen Reifegrad“, weiß Kannenberg.
Und wichtiger als frisch und umfangreich renovierte Räume ist ein eingespieltes, qualifiziertes Praxisteam, das die Abläufe und die Patientinnen und Patienten kennt. Gute Mitarbeiterbindungsmaßnahmen wie faire Vergütung, Wertschätzung oder Entwicklungs- und Weiterbildungsmöglichkeiten zahlen sich aus. Qualifiziertes Personal, das nach der Übergabe bleibt, ist für Nachfolger heute einer der größten Werte. „Ein stabiles, eingespieltes Team und ein hoher Digitalisierungsgrad sind heute die entscheidenden Werttreiber einer Praxis. Praxisinhaber sollten daher in Mitarbeiterbindung und moderne Software investieren statt in aufwendige Renovierungen, die der Nachfolger möglicherweise nicht passend findet“, erklärt Ecovis-Steuerberater Kannenberg.
Bilanzierung und Factoring erleichtern die Praxisbewertung
Der Umstieg von der Einnahmen-Überschuss-Rechnung (EÜR) auf die Bilanzierung erhöht die Transparenz und erleichtert potenziellen Käufern die Praxisbewertung. In diesem Zusammenhang kann auch die Umstellung auf ein Factoring sinnvoll sein: Anbieter wie die MedVS ermöglichen planbare Liquidität und eine saubere Forderungsstruktur.
„Ärztinnen und Ärzte sollten ihren Steuerberater gezielt auf diese Themen ansprechen, sofern dieser nicht auf Heilberufe spezialisiert ist. Da Bilanzierung und Factoring im Gesundheitswesen spezifisches Branchenwissen erfordern, werden diese Themen in der allgemeinen Beratung kaum aktiv aufgenommen“, erklärt Kannenberg.
Was zusätzlich hilft – und was nicht
Darüber hinaus unterstützt eine gute Online-Reputation den Verkauf. Gezieltes Marketing macht die Praxis für Nachfolger sichtbar und kann im besten Fall auch Privatpatienten anziehen. Zum Aufbau eines guten Images gehört beispielsweise, auf Google-Bewertungen professionell zu reagieren und die eigene digitale Präsenz zu pflegen. „Nicht zu empfehlen ist es hingegen, die Sprech- und Arbeitszeiten zu verringern. Das zieht sinkende Umsätze und mangelnde Patientenbindung nach sich. Das sind Warnsignale für potenzielle Käufer“, weiß Ecovis-Experte Kannenberg. Weitere Warnsignale sind:
- Hohe Personalfluktuation: Ein instabiles Team verunsichert Nachfolger.
- Investitionsstau bei Technik: Veraltete Software mindert die Attraktivität.
- Vernachlässigte Dokumentation: Fehlende Patientenakten erschweren die Übergabe.
- Keine professionelle Praxisbewertung: Wer den Wert nur schätzt, verschenkt Verhandlungsspielraum.