Forschungszulage: So nutzen innovative Unternehmen die staatliche Förderung
Die steuerliche Forschungszulage belohnt innovative kleine und mittlere Unternehmen. Wer Neues wagt, sichert sich finanzielle Unterstützung vom Staat. Allerdings erfordert das Verfahren eine vorausschauende Planung.
Hohe Energiekosten, Störungen in den Lieferketten und ein spürbarer Transformationsdruck fordern kleine und mittlere Unternehmen heraus. Wer dauerhaft wettbewerbsfähig bleiben will, muss fortlaufend in neue Ideen investieren. Die Finanzierung komplexer Innovationen gestaltet sich allerdings zusehends schwieriger. Betriebe können jedoch eine verlässliche Alternative nutzen: die steuerliche Forschungszulage. Die staatliche Unterstützung bietet handfeste Vorteile. Betriebe können sofort mit ihrem Projekt starten und müssen nicht auf einen Förderbescheid warten. Zudem lässt sich das Geld bis zu vier Jahre rückwirkend sichern. „Selbst für Start-ups, die noch keine Steuern zahlen, lohnt sich der Blick auf diese Hilfe. Das Finanzamt überweist die Erstattung in diesem Fall direkt“, sagt Robert Kowalski, Unternehmensberater bei Ecovis in Rostock.
Scheitern ist erlaubt
Wer profitieren möchte, muss etwas fundamental Neues schaffen. Das bloße Optimieren bestehender Prozesse reicht nicht aus. „Das Gesetz legt strenge Maßstäbe beim Kriterium Neuigkeit an“, erläutert Andreas Steinberger, Unternehmensberater und zertifizierter Fördermittelberater bei Ecovis in Dingolfing. Der Staat unterstützt dabei ausdrücklich das unternehmerische Wagnis. Das Projekt muss nicht wirtschaftlich erfolgreich sein, es muss jedoch technische Risiken bergen und dem Fortschritt dienen. Typische Beispiele finden sich im Maschinenbau oder in der Softwareentwicklung.
Präzise Formulierungen sichern die Zulage
Der Weg zum Geld verläuft in zwei Stufen. Zuerst reichen Betriebe selbstständig den fachlichen Antrag bei der Bescheinigungsstelle Forschungszulage (BSFZ) ein. Da das Portal nur begrenzt Platz für Projektbeschreibungen bietet, kommt es auf eine präzise Formulierung an. „Die fachliche Beschreibung liegt beim Unternehmen. Wir begleiten die Mandantinnen und Mandanten als Sparringspartner, prüfen die Ideen und verfeinern den Ablaufplan“, erklärt Steinberger.
Sorgfältige Berechnung der Kosten
Liegt die Bewilligung vor, folgt der zweite Schritt beim Finanzamt. „Eine exakte Kostenkalkulation ist hier entscheidend, da das Finanzamt die Zahlen streng mit dem Erstantrag abgleicht“, betont Steinberger. Ecovis unterstützt Mandanten bei der betriebswirtschaftlichen Umsetzung und hilft, die voraussichtlichen Personal-Einsatzkosten realistisch und plausibel zu schätzen. Wer im Betrieb forscht und entwickelt, dessen Arbeitszeit fließt direkt in die Kalkulation ein. Das gilt für das technische Fachpersonal ebenso wie für Eigenleistungen der Unternehmen und Geschäftsführung.
Neu ist zudem, dass Betriebe Abschreibungen für Maschinen ansetzen können, die speziell für das Forschungsprojekt nötig sind. Ein wichtiger Hinweis für die Planung: Das Finanzamt prüft neben den Zahlen auch die wirtschaftliche Situation. Unternehmen, die beihilferechtlich als „Unternehmen in Schwierigkeiten“ gelten, sind von der Förderung ausgeschlossen. Für alle anderen gilt: „Der Aufwand lohnt sich, denn die Steuererstattung verbleibt am Ende komplett und ohne Abzüge in der eigenen Firmenkasse“, sagt Kowalski.
Frühzeitig den Antrag planen
Da auch die Bewilligungsstellen für ihre Prüfung Zeit benötigen, müssen sich Betriebe mindestens ein halbes Jahr vorher um das Verfahren kümmern. Für das Förderjahr 2023 läuft die Frist am 31. Dezember 2027 unwiderruflich ab – bis dahin müssen sowohl der positive BSFZ-Bescheid als auch der Finanzamtsantrag vorliegen. Mit Blick auf die hohe bundesweite Bewilligungsquote von rund 80 Prozent mahnt Ecovis-Unternehmensberater Steinberger: „Unternehmerinnen und Unternehmer sollten frühzeitig aktiv werden, um sich diese Chance zu sichern. Ein Versuch lohnt sich.“
Hilfreiche Tipps der Prüfstelle
Wichtige Orientierungshilfen der Bescheinigungsstelle Forschungszulage (BSFZ):
- Beachten Sie die Kriterien genau, insbesondere bei der exakten Darstellung der Neuartigkeit.
- Orientieren Sie sich an den konkreten Textbeispielen, die gelungene Projektbeschreibungen zeigen.
- Achten Sie darauf, dass die Einzigartigkeit gegenüber der Konkurrenz deutlich wird.