Biogas in der Landwirtschaft: Zukunft nach dem EEG sichern
Die Biogasbranche steht am Scheideweg. Trotz einer Wertschöpfung von 13 Milliarden Euro und 50.000 Arbeitsplätzen bedrohen die komplexe Regulatorik und das Auslaufen der EEG-Vergütung viele landwirtschaftliche Betriebe.
Wirtschaftliches Fundament im ländlichen Raum
Mit einem jährlichen Umsatz von rund 13 Milliarden Euro – was etwa 17 Prozent des landwirtschaftlichen Produktionswerts entspricht – ist die Biogasbranche eine zentrale Säule der deutschen Agrarwirtschaft. Etwa 9.600 Anlagen sichern nicht nur die Existenzgrundlage zahlreicher Familienbetriebe, sondern bieten auch über 50.000 hoch qualifizierte, krisenfeste Arbeitsplätze im ländlichen Raum. Für Landwirte bedeutet die Biogaserzeugung Schutz vor volatilen Agrarmärkten durch planbare Strom- und Wärmeerlöse sowie eine effiziente energetische Veredelung von Nebenprodukten wie Gülle.
Regulatorische Hürden und existenzielle Risiken
Trotz der enormen Bedeutung von Biogas befindet sich ein großer Teil der Branche in einer existenzbedrohenden Lage. Das Hauptproblem: Für viele Anlagen neigt sich nach 20 Jahren die gesicherte EEG-Einspeisevergütung dem Ende zu. Gleichzeitig ignoriert das aktuelle „Biomassepaket“ der Bundesregierung oft die zeitlichen Realitäten der Praxis. Zahlreiche Betriebe, die grundsätzlich bereit zur Flexibilisierung wären, scheitern an fehlenden Netzanschlüssen oder an zu komplexen regulatorischen Anforderungen, die insbesondere kleine und mittlere Anlagen überfordern.
Ohne ein „Biomassepaket 2.0“, das als echter Booster fungiert, droht wertvolles Potenzial für die Energiewende verloren zu gehen. Im Jahr 2026 wird ein neues Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) verhandelt. Dieses wird über die Zukunft zahlreicher Betriebe entscheiden. Zukunft heißt für Anlagenbetreiber auch, die Anlage fit für die Anforderungen der Energiemärkte zu machen. Während es vor 20 Jahren – dem Beginn des umfangreichen Baus von Biogasanlagen – wichtig war, möglichst durchgehend auf Volllast zu fahren, ist heute ein anderes Profil wichtig. Sowohl das EEG als auch der Strommarkt verlangen eine flexible Stromproduktion, während das erzeugte Biogas zwischengespeichert wird.
Flexible Stromerzeugung als große Chance
Besonders an sonnigen Tagen „überschwemmt“ günstiger Strom aus Photovoltaik-Anlagen (PV-Anlagen) die Strommärkte. Die Folge sind negative Preise an den Strombörsen und Abschaltungen in überforderten Netzgebieten. Biogasanlagen können und müssen diesem Preistal aus dem Weg gehen. Zum einen, weil es das EEG zunehmend fordert, und zum anderen, weil nur dann Mehrerlöse bei der Vermarktung des Stroms möglich sind, wenn Erzeuger bei Tiefpreisen nicht einspeisen. Die Strommärkte ermöglichen flexibel fahrenden Biogasanlagen zum Teil beträchtliche Zusatzerlöse. Dieses Potenzial zu heben, ist Grundaufgabe jedes Betreibers.
Damit das gelingen kann, müssen sich Betreiber dazu organisatorisch optimal aufstellen, aber auch ihre Anlage technisch ertüchtigen. Denn nicht jede Anlage in Deutschland kann flexibel einspeisen. Gerade bei kleineren Erzeugern stehen dafür umfassende Investitionen an. Angesichts unsicherer Perspektiven im EEG ist das für Betreiber häufig keine leichte Entscheidung – einige haben bereits entschieden aufzuhören. Aus Sicht der regionalen Wertschöpfung und der energetischen Resilienz ist das eine bedauerliche, aber häufig nachvollziehbare Entscheidung. Es ist Aufgabe der Politik, wieder einen Rahmen zu setzen, der Investitionen ermöglicht.

Biomethan als strategische Chance
Angesichts der Unsicherheit im EEG rückt die Aufbereitung von Biogas zu Biomethan (Erdgasqualität) verstärkt als Alternative in den Fokus. Während derzeit weniger als 300 Biomethananlagen den fast 10.000 klassischen Biogasanlagen gegenüberstehen, bietet dieser Weg erhebliche Vorteile. Biomethan ist im Gasnetz flexibel speicherbar und lässt sich in verschiedenen Sektoren – von der Industrie bis zum Transportwesen als Kraftstoff – vermarkten. Das macht Produzenten unabhängiger von politischen Wendungen im Stromsektor. Insbesondere für Anlagen ohne effiziente Wärmenutzung stellt die Umstellung auf Biomethan oder Bio-LNG (flüssiges Biomethan) eine prüfenswerte Option dar.
Aber auch hier ist die Regierung noch Entscheidungen schuldig. Sie formuliert aktuell die Regelungen zum Gasnetzzugang neu. Das Ergebnis entscheidet darüber, wie attraktiv der Antrag eines Gasnetzanschlusses ist. Sicher ist, dass nicht jede kleine Biogasanlage ans Gasnetz kann. Aus mehreren Gründen ist hierfür eine gewisse Mindestgröße erforderlich. Denken Landwirte über diese Alternative zur Vor-Ort-Verstromung im EEG nach, führt häufig unweigerlich kein Weg an einem Zusammenschluss mehrerer Anlagen vorbei.

Fazit: Biogas macht die Energiewende sicher
Biogas ist „dunkelflautenfähig“: Es liefert Energie schneller, günstiger und klimafreundlicher als neue Gaskraftwerke. Damit Deutschland die Resilienz seines Energiesystems stärken kann, muss die Politik bürokratische Verzögerungen abbauen und praxisnahe Nachfolgeregelungen etwa zum EEG oder zur Gasnetzzugangsverordnung (GasNZV) schaff en.
Die Branche braucht Planungssicherheit, um weiterhin als regionaler Wertschöpfungsmotor und Klimaschützer agieren zu können. Wenn das gegeben ist, dann können Anlagenbetreiber eine fundierte Zukunftsentscheidung treffen und es sind wirtschaftlich tragfähige Konzepte möglich.